Hochwassergefahrenkarten für Rheinland-Pfalz
Die Hochwassergefahrenkarten sind einer der zentralen Bausteine in der Hochwasservorsorge. Durch die Bereitstellung dieser Informationen können Bürgerinnen und Bürger und Kommunen sich über die in ihrer Region vorliegende Flusshochwassergefährdung informieren und individuelle Vorsorge treffen.
In den Hochwassergefahrenkarten wird das Ausmaß der Überflutung, die Wassertiefe und sofern vorhanden auch die Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung für die statistischen Szenarien HQ10, HQ100 und HQextrem (näheres hierzu siehe unten) in den Gebieten mit signifikantem Hochwasserrisiko dargestellt. Die Erstellung der Hochwassergefahrenkarten wird durch die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken („Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie“) sowie deren nationale Umsetzung in das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes vorgegeben. Alle sechs Jahren müssen die Hochwassergefahrenkarten durch das Landesamt für Umwelt für Rheinland-Pfalz überprüft und ggf. fortgeschrieben werden.
Die Hochwassergefahrenkarten wurden überwiegend mithilfe des HydroZwilling Rheinland-Pfalz neu berechnet und am 27.02.2026 aktualisiert. Mit den aktualisierten Hochwassergefahrenkarten stellt das Landesamt für Umwelt erstmalig an vielen Gewässern auch Informationen über Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit bereit. An einigen Gewässern werden zunächst noch Überschwemmungsdaten aus anderen Berechnungen beibehalten, so dass diese Informationen nicht an jedem Gewässer vorliegen.
Für welche Gewässer werden die Hochwassergefahrenkarten bereitgestellt?
Die Hochwassergefahrenkarten werden für die Gebiete mit signifikantem Hochwasserrisiko erstellt, die im Rahmen der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos bestimmt werden. Die Gebiete mit signifikantem Hochwasserrisiko werden unter dem Begriff „Risikogewässer“ zusammengefasst.
Welche Informationen werden in den Hochwassergefahrenkarten dargestellt?
| Anschlagslinie: | Die Anschlagslinie stellt die flächige Ausdehnung des Hochwasserszenarios dar. |
| Überflutungs-tiefen: | Die Überflutungstiefen stellen die maximale Wassertiefe eines Szenarios in Meter über der Geländesohle dar. Die Darstellung erfolgt in sechs Klassen. |
| Überflutungs-gefährdung: | Unter „Überflutungsgefährdung“ werden die Bereiche zusammengefasst, die eigentlich durch Hochwasserschutzanlangen geschützt sind. Die „Überflutungsgefährdung“ schätzt die Ausbreitung bei einem Versagen der Hochwasserschutzanlagen ab. |
| Fließgeschwin-digkeit: | Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung werden in der Hochwassergefahrenkarte unter „Fließgeschwindigkeit“ zusammengefasst. Die dargestellte Fließgeschwindigkeit gibt die maximal auftretende Fließgeschwindigkeit eines Szenarios an. Die Darstellung erfolgt ab einem Maßstab von 1:5.000. Diese Informationen liegen zurzeit noch nicht flächendeckend für alle Risikogewässer vor. |
Für welche Szenarien werden Hochwassergefahrenkarten ermittelt?
Die Hochwassergefahrenkarten bilden kein tatsächlich abgelaufenes Hochwasserereignis ab, sondern theoretische Szenarien. In den Hochwassergefahrenkarten werden die folgenden drei statistischen Szenarien abgebildet:
- HQ10: Ein Szenario, das statistisch gesehen einmal in 10 Jahren auftritt.
- HQ100: Ein Szenario, das statistisch gesehen einmal in 100 Jahren auftritt.
- HQextrem: Ein Szenario, das statistisch gesehen seltener als einmal in 200 Jahren auftritt.
Die statistische Einordnung erfolgt über eine Abflussstatistik im Gewässer, die auf den über viele Jahre gemessenen Pegelständen basiert.
Wie werden die Hochwassergefahrenkarten erstellt?
Die Hochwassergefahrenkarten basieren in der Regel auf Berechnungsergebnissen eines hydraulischen Modells. In hydraulischen Modellen wird berechnet, wie sich das Wasser während eines Hochwasserszenarios ausbreitet. Dabei wird in einem Hydraulikmodell zur Berechnung von Flusshochwassergefahren eine bestimmte Abflussmenge in das Gewässer gegeben und nicht etwa ein bestimmter Niederschlag angenommen.
Die meisten Hochwassergefahrenkarten wurden mit dem HydroZwilling Rheinland-Pfalz berechnet. An einigen Gewässern werden zunächst noch Überschwemmungsdaten aus anderen Berechnungen beibehalten.
Wichtig: Bei den Hochwassergefahrenkarten handelt es sich um Modellergebnisse. Ein Modell kann die Realität nie vollständig abbilden! Daher sind Aussagen wie Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten auch immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.
Hochwasserrisikokarten
Während in den Hochwassergefahrenkarten das Ausmaß von Überschwemmungen dargestellt wird, enthalten die vorgeschriebenen Hochwasserrisikokarten (§ 74 WHG) Angaben u.a. über
- die Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner,
- die Art der wirtschaftlichen Tätigkeiten in dem potenziell betroffenen Gebiet (Landnutzungen), und
- umweltrelevante Industrieanlagen, von denen bei Überschwemmung eine Verunreinigung ausgehen kann.
Die nach diesen Vorgaben erstellten Hochwasserrisikokarten für Rheinland-Pfalz sind Ergebnis einer Verschneidung vorhandener Daten in einem geographischen Informationssystem und ergänzen die Hochwassergefahrenkarten mit den o. g. zusätzlichen Informationen über das Hochwasserrisiko. Die kommunalen Gebietskörperschaften können daraus ihre Betroffenheit direkt erkennen.
Hinweis: Die derzeit verfügbaren Hochwasserrisikokarten werden zurzeit teilweise aufgrund der datentechnischen Prozessierung überschätzt.



